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Zwischenbilanz

 

Der Umzug nach Krefeld (28.07.2018) ist geschafft... naja halb :)  Ich bin für den August bei einer Freundin unter gekommen, da die Wohnung bei meinen Eltern noch besetzt ist... ich hoffe zum September bin ich dann wirklich final umgezogen.

 

So weit läuft alles fantastisch. Ich habe viele Orte wieder entdeckt, meinen Kletterbaum (hinten rechts im Titelbild) wieder gefunden und erobere die Stadt für mich aufs Neue. Und es ist ruhig. Es ist so viel ruhiger als in Köln :)  Das genieße ich ich sehr. Es ist kaum ein Vergleich. Wenn ich früher an den Poloerwiesen entlang spazieren war, war ich nie allein: Jogger, Leute mit Hunden, Sportgruppen, Radfahrer und immer jemand mit ner Sound-Box und dröhnender Musik... ganz zu schweigen vom Verkehr, den man immer gehört hat. Das gleiche gilt auch für Parks und andere Orte.

 

Hier in Krefeld habe ich 2-3 Orte besucht die regelrecht abgeschottet sind. Und ich kenne noch einige andere. Diese Ruhe tut mir gut. Ich habe auch schon einige Menschen aus der Vergangenheit wieder getroffen, meinen alten Klassenlehrer, eine Nachbarin mit der ich mal viel zu tun hatte und! das ist das krasseste: einen Kerl mit dem ich was vor gut 15 Jahren hatte. Wir haben uns direkt auf ein Kaltgetränk getroffen und stundenlang gequatscht. Der Wahnsinn, echt witzig... und es hat sogar "boom" gemacht... also im Sinne von Schmetterlingen und so ;)  Auch das fühlt sich sehr schön an. Mal schauen was sich da ggf. entwickelt... ich möchte mal nichts beschreien.

 

Gestern habe ich mich fürs Studium an der FOM in Neuss angemeldet. Kann kaum erwarten, dass März ist und es los geht. Arbeiten tu ich immer noch in Neuss und hoffe auch hier, dass sich bald mal was tut und ich in der Filiale in Krefeld eingesetzt werden kann. Aber Geduld.

 

Ich habe ein neues Buch angefangen "Religion und Homosexualität" - mega interessant! Hier wurden Fachleute der christlichen, jüdischen und islamischen "Kirchen" befragt bzw. gebeten, zu homophoben Passagen aus den jeweiligen Schriften und Überlieferungen Stellung zu nehmen. Ich bin noch nicht ganz durch, aber es ist vielversprechend. Recht deutlich wird, dass es eigentlich vor dem Ende des 19. Jahrhunderts von keiner Seite einen wirklichen Begriff für Homosexualität gab oder schwule oder lesbische Menschen für ihre sexuellen Handlungen diskriminiert wurden. Die Abgrenzung zum "Normalen"/Gewohnten, also zur Heterosexualität, gab es als solches nicht. Die Begriffe homo und hetero kamen wohl erst gegen 1880/1890 in den Sprachgebrauch. Davor "hatten" die Leute einfach Sex. Wer mit wem was gemacht hat, hatte keinen Einfluss auf seine Identität. Später wurde aber die sexuelle Handlung zur sexuellen Identität = Sexualität. Jetzt musste sich quasi entschieden werden, wer man ist bzw. zu welcher "Gruppe" man gehört. Hier wird auch die Frage in den Raum gestellt, ob nicht diese Abgrenzung, auf Grund einer sexuellen Vorliebe, zur Homophobie beigetragen haben könnte. Man ist ja schließlich "anders". Und die Menschheit hat sich noch nie dadurch ausgezeichnet, ihre Welt mit "anderen" zu teilen. So bekamen manche sicher Angst - aus Unwissenheit natürlich. Auch wenn die sexuelle Vorliebe einen ja nicht zu einen anderen Menschen macht.... aber diese Abgrenzung eben, wurde dann wohl sehr schnell als Gefahr für die gewohnte Ordnung in der Gesellschaft angesehen. Und je nach dem wie man es dreht und wendet, wird so der schwule Mann / die lesbische Frau zur Gefahr der Gesellschaft und verachtenswert. Ziemlich bekloppt. Aber so sind wir Menschen nun mal :)

 

Worauf auch eingegangen wird sind homosoziale Gruppen. Also reine Männer- oder Frauen-Gesellschaften, wie z.B. Schützenvereine, Mönchs- und Nonnenklöster, Jungen- und Mädchen-Schulen, getrennter Sportunterricht etc.  In diesen Gruppen fühlen sich die Individuen anscheinend wohler, da sie unter sich sind. Über solche Konstellationen hat sich nie jemand beschwert. Und es zeugt ja auch von einer Vorliebe, mit dem gleichen Geschlecht bzw. unter sich zu sein. Dass hier mehr als nur Freundschaft, Vertrauen oder Zuneigung entstehen kann liegt glaube ich auf der Hand. Trotzdem wird eine solche Liebe mittlerweile verurteilt. Die Geschichtsbücher sind voll von Zuneigungsbekundungen unter Gleichgeschlechtlichen. Auch Homoerotik ist stets dabei. Aber nie wurde die individuelle Identität in Frage gestellt, bzw. diese nicht als abartig angesehen und es wurde nicht ausgegrenzt. Erst vor knapp 110-130 Jahren fing man an, die Menschen zu separieren, Eindeutigkeiten zu schaffen und abzugrenzen. Ob das jetzt was gebracht sei mal dahin gestellt. Schwule für sich, Lesben für sich, Transen unter sich und die Muskel-Trinen für sich etc.... ggf. sind da die "Trans-Männer und -Frauen" die offenere Minderheit. (?)

 

Wir haben zwar mittlerweile eine bunte Vielfalt an Menschen, Sexualität etc... aber eher jede Schublade für sich alleine. Zwar eine multi-kulti Gesellschaft, aber hauptsächlich jede von der anderen abgegrenzt. Ich sehe selten wirklich gemischte Gemeinschaften. Natürlich wird alles toleriert ... nur selten akzeptiert geschweige denn miteinander gelebt. Was bringt uns die Vielfalt, wenn sie als Minderheit am Rand der Gesellschaft neben her läuft und kein Austausch statt findet?  Ich wüsste nicht, dass meine Eltern z.B. muslimische Freunde hätten. Nicht dass sie etwas dagegen hätten, aber ein Austausch findet nicht statt. Zwar mit spanischen oder kroatischen Nachbarn... auch nur bis zu einem gewissen Grad... aber eine wirkliche Gemeinschaft ist das nicht. Schon komisch. Gleiches gilt für mich. Komischerweise kenne ich keinen Juden... glaube ich zumindest :)

 

Ich werde mich in das Thema wahrscheinlich noch mehr vertiefen. Finde es sehr interessant. Vielleicht zeichnet sich hier ein Weg ab, weg von den eindeutigen Bezeichnungen und Abgrenzungen, hin zu einer Gesellschaft die eben uneindeutig und vielfältig ist. Mit kultureller Vielfalt und Offenheit für jeden und alles was "anders" ist. Hauptsache nicht einheitlich, langweilig, normal und 0815. Ein Miteinander statt nebeneinander.


Ansonsten komme ich zwar viel zum Denken, aber nicht zum Schreiben. Das werde ich wohl erst gegen Ende Sept. Anfang Okt. wieder, wenn ich final in meiner Wohnung und einem Alltag angekommen bin :)



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