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Einschub für später

Es ging mir nie ums betrunken sein, eher darum nicht nüchtern zu sein. Nicht so angreifbar zu sein. Wie ein Schutzschild. Vor Blicken, Äußerungen, vor allem was mir schaden könnte.

 

bin ich denn jener der ich bin wenn ich nüchtern bin? Oder bin ich nach 2-3 Bier der der ich eigentlich bin? Ohne Zwang, ohne Vergangenheit, nur im jetzt? Oder sogar noch intensiver in dem was passiert ist und in dem was mich dazu gebracht hat zu trinken? Warum werde ich wütend und aggressiv? Weil ich verletzt bin? Weil die Wunden nicht so heilen wie es das Sprichwort verspricht? Betrüge ich mich dabei, meinen Freund oder uns beide? Sollte ich nie wieder was trinken?

 

Wie viel wieder trinken wäre schlimm? Ein Getränk? Oder ein Sixpack? Sollte ich die Situation überhaupt provozieren? Sollte ich mich austesten oder doch die Situationen vermeiden? Sollte ich mit 29 nicht langsam alt genug sein und meine Grenzen kennen?

 

 Oder waren meine damaligen Grenzen andere, weil mir in der Zwischenzeit neue Dinge passiert sind, weshalb sich die Grenzen verschoben haben, und ich neu anfangen muss meine Grenzen kennenzulernen?

Wird das lernen nie aufhören?

Oder kommt irgendwann der Punkt an dem ich sicher etwas weiß und nicht neu lernen muss? 

 

 

 

Einschub

 

wer bin ich? Die Anzahl meiner Karnevalskisten? Die Perfektion meines Make-ups? Die Anzahl der Männer mit denen ich geschlafen habe? Bin ich der Job den ich mache? Das künstlerische das ich schaffe? Die Freunde die da sind? Die Personen die nicht mehr da sind? Bin ich das was mein Freund liebt? Was er sieht? Was ich nicht sehe, oder was ich statt ihm sehe? Das was er versucht mir zu zeigen? Bin ich wer ich war? Sollte ich sein, wer ich sein könnte? Oder darf ich heute, jetzt, in diesem Moment sein, wie ich will? Ich wurde römisch- katholisch erzogen, aber ich bin es nicht. Ich halte mich zwar an manche Bräuche... aber sonst?

Muss ich das sein, was ich jetzt bin, auch morgen sein? Wozu erstellen Menschen 5-Jahres-Pläne? Vor fünf Jahren war ich anders als jetzt. Und in fünf Jahren kann ich anders sein als jetzt. Wie soll ich da einen „Plan“ verfolgen? Beruflich? Unmöglich! Wenn einem sein 2-Jahres-Vertrag auf einmal doch nicht verlängert wird, ändert sich alles schlagartig. Wenn Angehörige versterben, ändert sich alles schlagartig. Abgesehen von der Theorie, dass ich morgen von einem Auto angefahren werden könnte... dann ändert sich auch alles

 

schlagartig. Man kann sich vorbereiten, klar. Aber Pläne für fünf Jahre schmieden? Nahezu unmöglich. Und in fünf Jahren wäre man sicher enttäuscht wenn nicht das eingetroffen ist, was man „geplant„ hat. Hoffnung ist super... vorrauschausschauend zu sein auch... aber planen? Schon fast verrückt... zumindest in der heutigen Zeit. Zumindest denke ich das. Ob ich das glaube sei noch dahin gestellt. Jedenfalls bringt es mich nicht der Antwort auf die Frage näher: wer bin ich?

 

 

Einschub

 

Ich denke ich habe kein Problem ohne Alkohol. Eher dass ich eines mit Alkohol habe. Bzw. ab den dritten Bier... da hört die Kontrolle langsam auf und der Genuss sowieso und ich schütte einfach nur noch weiter rein... dann folgt im schlimmsten Fall ein Blackout. Und Freunde schreiben mir was ich fürn Mist gebaut habe. Dann schäme ich mich. Und ich möchte solche Situationen nicht mehr hervorrufen.

Es gab auch oft Situationen in denen es mir unangenehm war, dass ich gemerkt habe betrunken zu sein. Bzw. betrunkener als ich wollte oder dachte. Dann hab ich mich auch aus den Situationen verabschiedet und bin nach Hause. Oder nach dem nächsten Bier war es mir wieder egal. Aber die Tatsache, dass ich manchmal betrunkener war als ich wollte, auch wenn es „nur“ wegen drei Getränken war, und es mir selbst unangenehm war, lässt mich hoffen, dass ich kein hoffnungsloser Fall bin. Ich habe in der Vergangenheit auch fasten können. 40 Tage ohne Alkohol waren kein Problem. Dann wurden es auch mal drei Monate. Und aus diesem Grund hätte ich

 

nie gedacht ein Alkoholproblem zu haben. Mit Alkohol ja, klar. Beim Kontrollverlust auf jeden Fall. Aber ohne Alkohol kam ich auch klar. Also wo ist mein Problem? Ich muss lernen mich zu zügeln. Nicht vorm Trinken vortrinken!!! Was sowieso vollkommen idiotisch ist. Also wieder einmal die Frage: nie wieder trinken, oder bei der 3er-Regel bleiben? Nach drei Getränken ist Schluss. Weshalb dann überhaupt trinken? Fürs Angetrunken- Sein? Das löst mein Problem aber immer noch nicht, dass das ich den Alkohol nutze um lockerer zu sein. Das muss doch auch so gehen. Nicht so viele Sorgen und Gedanken machen. Abschalten. Ohne Griff zur Flasche. Mir tut doch keiner was. Sollte zumindest keiner ☺ Und wenn doch, dann lässt sich das schon klären. Ich kann Konflikte lösen. Warum nicht meine eigenen?

 

Jobsuche: wieder eine Absage – fühlt sich an wie Liebeskummer. Habe mich in eine Agentur verliebt. Mir wurden Komplimente gemacht. Ich wurde zum Essen eingeladen. Einen Tag vorher wurde mir abgesagt und ich wurde versetzt. Als hätte man sich von mir getrennt. Ich habe mir Hoffnung auf eine Beziehung gemacht... ich war schon auf Wolke 7... jetzt bin ich aber wieder am Boden der Tatsachen... wieder von neu beginnen. Langsam fehlt mir die Kraft. Ich habe keine Lust mehr „geschlagen“ zu werden. Fallen gelassen zu werden. Absagen zu kassieren.

 

 

Zwischendurch

 

Mit jeder Beziehung hatte ich gehofft zu finden was ich suche... aber ich fand nur was ich nicht gesucht habe. Wichtig dabei ist aber, das ich mich weiter kennen

gelernt habe. Zu wissen was man nicht sucht ist gut. Dann wird man es nicht nehmen wenn man es wieder antrifft. Ich habe gemerkt zu erkennen was mir nicht gut tut. Daher würde ich sagen, dass Beziehungen sehr gut sind, um sich selber kennen zu lernen. Deshalb finde ich es auch nicht schlimm wenn man sich trennt, wenn man sich weiterentwickelt hat als sein gegenüber. Schade ist es – klar! Aber nur natürlich. Wenn es nicht mehr passt, dann passt es nicht mehr.

 

Mit meiner jetzigen Beziehung ist es anders. Mir fällt nichts ein das mir nicht gefällt. Ich bemerke nichts was ich nicht gesucht hätte. Und ich glaube, dass wir uns zusammen weiterentwickeln. Ob ich angekommen bin? Das ist schwer zu sagen. Es kommt mir zwar vor als hätte ich DEN Partner gefunden – aber es kommt mir nicht vor kommt als hätte ich MICH schon gefunden. Das ICH das angekommen ist. Das ICH das seinen Weg gefunden hat. Das ICH ... ich komme mit ihm zu Ruhe. Und ich kann mit ihm ausflippen, tanzen, lachen, wandern ohne etwas zu sagen, über alles reden, alles machen... und nicht nur in der Vertikalen ;) Aber ich komme mir vor, als wäre ICH noch nicht am Ziel. Weder beruflich noch persönlich. Sexuell sicher... da hab ich schon einiges erlebt und ich weiß was ich will bzw. nicht will. Und das diese Fernbeziehung (1-2 Std. mitm Auto oder Zug) klappt, merke ich auch schon. Es ist sehr entspannend, trotzdem abwechslungsreich, nicht langweilig. Tapetenwechsel sind vorprogrammiert und das gefällt mir. Die gemeinsame Zeit wird mehr wertgeschätzt. Und in der getrennten Zeit lerne ich zu vermissen. Mich zu sehnen. Das ist schön. Es klingt

 

etwas schmerzhaft... aber das ist nichts Schlimmes. Es intensiviert alles. Intensives Wiedersehen, intensives Verabschieden. Wertvolle Zeit zu zweit. Und gleichzeitig wertvolle Zeit alleine. Ich möchte ihn zwar nicht missen, aber ich mag es ihn zu vermissen ☺ und ihn wieder zu haben. Fest im Arm. Mit verliebten Augen.

 

 

 

Every time I hold you, I begin to understand

Everything about you tells me I’m your man

And I live my life to be with you

No one can do the things you do

Anything you want, you got it

Anything you need, you got it

Anything at all, you got it, baby

Anything you want

(Roy Orbison) 



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