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Immer wieder von neu

 Samstag


Und schon habe ich was gefunden. Eine Stelle bei der UNICEF! Wow, das wärs doch :) Aber das war nichts im Gegensatz zu einem alten Gefühl, das wieder aufgekommen ist. Bis gestern Abend habe ich eigenlich alle erledigt, was für das Wochenende hättte gemacht werden sollen. Im Kühlschrank habe ich auch genug, um bis Montagmittag aus zu kommen. Haushalt, Wäsche, Spül, alles ist gemacht. Und das Wetter läd nicht zu einem stundenlangen Spaziergang in irgendeinem Wald ein. Was also tun? Bis 14 Uhr konnte ich mich noch

über Wasser halten. Dann habe ich einen Powernapp gemacht. Und danach? Mir war langweilig. Ich konnte mich zu nichts aufraffen. Dann schaltete sich glaube ich ein altes Muster ein. Ich trieb mich auf XXX-Seiten herum und hab mir Pornos angeschaut. Mich etwas mit mir beschäftigt, um es jungendfrei auszudrücken :) und kam auf die Idee, doch in irgendeine schwule Sauna zu gehen. Nur da sein, ggf. rauchen und vielleicht jemandem bei diversen Aktivitäten zuzuschauen. Fremdgehen wäre das ja nicht. Oder ich gehe in die eine Bar mit Darkroom. An der Theke muss ich ja nichts trinken, und wenn mich jemand anfasst, lehne ich ab. Nur in dieser Location sein und ggf. etwas von dem Rausch abbekommen. Vielleicht auch Zigaretten holen und dort rauchen. Nicht in der Öffentlichkeit. Es könne mich ja jemand sehen. Im Darkroom ist das ja egal. Ganz durchschaut habe ich das Muster nicht, aber es kam mir sehr bekannt vor. Im angetrunkenem oder besoffen Zustand konnte ich mir den Wunsch nicht verwehren und habe gehandelt. Dann bin ich unter der Woche in die Sauna. Mal habe ich mich nur in der Szenerie aufgehalten, getrunken und geraucht, mal habe ich auch mitgemacht. Und früher habe ich die Nacht dann wirklich zum Tag gemacht. Bis 6 Uhr morgens. Aber mit Anfang 20 kann man das aushalten :) Zwischen 2015 und 2016 kam das wieder hoch... und da habe ich es nicht mehr so einfach wegstecken können. Dann habe ich mir den Tag danch frei genommen. Mir gings ja auch wirklich schlecht und arbeitsfähig war ich bei Weitem nicht. Aber zurück zum Muster - zum Wunsch. Wie heißt der Wunsch? Das Verlangen? “Etwas erleben wollen? Nichts verpassen? Meine Enthaltsamkeit nachholen? Ich habe so lange durchgehalten, jetzt darf

ich mir das gönnen? Jetzt darf ich die Sau raus lassen? Ich will das auch dürfen? Ich habe ein Recht darauf? Das kann mir keiner nehmen oder verbieten?“ ich glaube so oder so ähnlich jagen in Bruchteilen von Sekunden die Phrasen durch mein Unterbewusstsein. Ein Gefühl, als hätte ich mir oder jemand anderes mir etwas verboten. Und jetzt gibt es kein Hindernis. Jetzt könnte ich können. Wenn ich jetzt dem Wunsch nachgehe, hält mich keiner auf. Ich weiß nicht ob das aus meiner Kindheit kommt... aber ich merke ja schon im finanziellen Sektor, dass ich da sehr stark ausbrechen kann.

 

Meine Eltern haben ihr Bestes getan, mir den Umgang mit Geld zu vermitteln. Wenn nicht, dann haben sie es sogar perfekt getan. Ich würde mein Kind ähnlich erziehen. Nur ist das bei mir nicht angekommen. Ich hab mich glaube ich irgendwann unterdrückt gefühlt, und wollte mir Dinge leisten können. Deshalb habe ich mich auch so krass verschuldet. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne daran zu denken Geld ausgeben. Im Nachhinein bereue ich es und habe auch Verständnis dafür, dass das zu viel war... aber dann tat ich nichts und habe den Dingen seinen Lauf gelassen. Es ist nicht so, als wüsste ich nicht, wie teuer manche Sachen sind, oder dass man sich nicht immer alles auf einmal liesten können muss, oder jemandem etwas beweisen muss, wenn man jetzt dafür oder dafür Geld ausgiebt. Ich verstehe das alles, ich bin ja nicht dumm. Nur stellt sich dann irgendwas in mir um, ggf. ein Autopilot? Und das Bewusstsein ist aus. Irgendwann schaltet es sich dann wieder an und ich sehe was ich angerichtet habe. Jedem anderen hätte ich im Vorfeld schon gesagt, dass man das lassen sollte. Aber mir konnte ich das nie so sagen.

 

 

Jedenfalls, das Muster von Samstagnachmittag: war das Wollust? War das ein Geltungswunsch? Lust nach Rausch? Lust nach “was anderem” oder alles nur keine Langeweile?Es war auch nicht so, dass ich sonderlich rattig war. Ich glaube auch nicht, dass das Gefühl etwas war, dass unbedingt einen Grund haben muss oder ein tiefer Wunsch nach sonst was sein muss. Ich glaube das war nur die Kombination aus Porno und Langeweile, Alleinsein, keine Pflichten mehr zu haben und die Möglichkeit zu haben. So wie “Gelegenheit macht Diebe”. Wenn mein Freund da gewesen wäre, wäre das z.B. sicher nicht passiert. Oder wenn ich hätte arbeiten müssen. Aber da ich nichts zu tun hatte, kam das Gefühl wieder hoch. Etwas erleben wollen. Was Aufregendes. So wie wenn ich früher nach der Arbeit Zeit hatte, zwei Stunden mit Bier spazieren zu gehen und dann Zuhause keine Pflichten mehr zu haben. Da legte sich dann der Schalter gerne um auf dieses Gefühl und ich bin zurück in die Stadt in eine Sauna. “Ich hab keine Verpflichtungen - ich darf jetzt ausgelassen sein, mich Gelüsten hingeben”... dass ich schon stronzendicht war, habe ich da natürlich nicht mitbekommen. Nur jetzt war ich nüchtern. Und trotzdem kam das Gefühl wieder auf. Heißt das also, dass ich keine Langeweile aufkommen lassen darf? Dass Langeweile für mich eine Gefahr ist? Dass ich dann auf dumme Gedanken komme? Ich weiß, dass ein paar Stunden oder ein Tag oder ein Wochenende ohne Pflichten sehr erholsam sein sollten... aber so sehe ich das selten. Mal ein Tag oder zwei... aber mehr? Das ist für mich keine Erholung, das grenzt bei mir an Qual. Ich weiß ich weiß “probiers mal mit Gemütlichkeit”... aber die hatte ich schon die ganze Woche!

 

Ich brauche irgendwelche Projekte oder Aufgaben, die ich mir rausholen kann, sobald ich Gefahr laufe, nichts zu tun zu haben. Ich meine, ich hätte auch lesen können. Da sind ja noch drei Bücher... aber große Lust hatte ich nicht dazu. Das für mich keine sonderliche Pflichtlektüre wie Osho oder die Suchtfibel. Aber ich wil mich nicht beschweren. Ich bin froh, dass ich diesen Moment hatte. So weiß ich, dass ich nicht sicher bin. Dass ich das Teufelchen nicht besiegt habe und weiterhin gefährdet bin. Denn, ich hätte a) meinen Freund betrogen, b) sehr wahrscheinlich geraucht, und dann wäre c) ein Becks oder so trinken, auch nicht weit gewesen. Und bumms! Wäre ich wieder im alten Trott.

 

 

Ich bin die Sucht nicht los. Die ist noch da. Und einen weiteren Auslöser habe ich jetzt erkannt: Langeweile und Gelegenheit. Ich weiß ich sollte mich nicht einschließen oder einem Zölibat unterziehen. Aber ich sollte der Langeweile etwas entgegen zu setzen haben. Es ist jetzt nicht so, als hätte mich das verlangen gepackt und zur Tür gezerrt. Das war kein “Craving”. Aber ein subtiles, unterschwelliges Gefühl hat ans Hintertürchen geklopft. Nachdem ich mir einen runter geholt hatte, war auch wieder alles gut und ich hab eher über die Gedanken geschmunzelt. Aber auf die leichte Schulter sollte ich das nicht nehmen. Schließlich habe ich nach dem Dresscode bei der genannten Fetisch-Location gegoogelt. Und der wäre ohne weiteres Möglich gewesen. Und für die Sauna hätte ich ganz entspannt in die U-Bahn steigen können und nach wenigen Metern wäre ich da gewesen. Ich bin die Möglichkeiten durchgegangen. Ich sollte also Respekt vor eventueller Langeweile haben. 

 

Das kenne ich auch noch aus dem Beruf. Wenn ich nichts zu tun habe, gefällt mir der Job nach einer Zeit nicht mehr. Oder wenn es mich nicht fordert. Statt dann mit den Vorgesetzten zu sprechen und zu schauen, wie man das ändern kann, komme ich auf die Idee zu kündigen oder immer früh Feierabend zu machen. Und dann bin ich unglücklich um 16:30 Uhr auf meinem Nach- Hause-Weg. Dann wurde getrunken und dann ging es in die Sauna... es hängt alles zusammen. Natürlich war ich nicht nur unglücklich, hier war die Therapie äußerst hervorragend und hat gezeigt, was da noch alles so hinter steht. Natürlich hätte Mehrarbeit nichts gebracht. Dann hätte ich wegen Überlastung gesoffen :) Und ich war ja auch nicht nur unterfordert. Aber es hat sich nie die Waage gehalten. Die muss wieder hergestellt werden. Be- und Entlastungen also mal wieder :)

Ich werde das auch mit in die Nachsorge oder alternativ SHALK am Mittwoch mitnehmen. Mir ist zwar klar, dass ich in der Nachsorge wahrscheinlich weniger über Sex etc. reden kann, aber wer weiß, vielleicht sind die Leute ja offener als ich auf den Blick vermute. Gleich geht es erstmal zu meinen Eltern. Da mein Freund ja krank Zuhause geblieben ist, habe ich mich zu meinen Eltern eingeladen, statt dass sie zu mir kommen. So habe ich mehr zeit die totgeschlagen wird. Weg zum Bahnhof, 45 min. nach Krefeld, die Zeit dort, und wieder zurück. So bekommt man auch einen Tag rum :) Jetzt muss ich nur noch die kommenden vier Stunden mit irgendwas füllen. Ich mach mir erstmal n Tee.

 

Abschließend merke ich, dass hier langsam so alltätgliche Dinge aufgeschrieben werden. Hier sollte ich aufhören am Buch zu schreiben.

 

Ich werde noch an vielen Punkten lernen müssen. Und mich an vielen Stellen zurückerinnern müssen, was ich gerlernt und an die Hand bekommen habe. Jetzt gilt es die Dinge anzuwenden. Hinzufallen und wieder aufzustehen. Nicht liegen bleiben. Nochmal zurück blättern und schauen was ich tun kann. Ruhig bleiben. Und die Dinge ausprobieren. Egal ob ich bei der Nachsorge bleibe oder eventuell wechsle. Egal wo ich arbeiten werde, ob die Weiterbildung stattfindet und was mir das Amt bewilligt oder nicht. Ich muss alle Situationen auf mich zu kommen lassen. Vorbereiten kann ich mich nur teilweise. Damit arbeiten kann ich erst wenn es so weit ist. Aber ich darf hoffen und mir wünschen, dass ich mir treu bleiben kann.

Ich bin stark. Ich bin toll. Ich hab so viel geschafft. Warum soll ich das alles was evtl. noch passiert nicht auch schaffen? :) Und es geht doch eigentlich nur um heute. Gestern war gestern. Was morgen passiert weiß keiner. Ich kann nur heute etwas bewegen. Und heute trinke ich nicht. Heute rauche ich nicht. Und morgen sage ich mir wieder das gleiche :) Alles was ich tun kann, kann ich nur jetzt tuen. Und in diesem Moment kann ich achtsam sein. Ich kümmere mich um mich. Mir darf es gut gehen. Egal was passiert, mir kann ich vertrauen.

 

Ich schaffe das schon :) 

 



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