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Jobsuche und Nachsorge

 

Dienstag

 

So, da bin ich nun, austherapiert (mehr oder weniger ☺) und immer noch arbeitslos. Jegliche to-dos sind abgehakt: arbeitslosmelden, Krankenversicherung Bescheid geben, Arzttermine für diese und nächste Woche gemacht, eingekauft und Wochenplan gemacht. Heute Abend ist meine erste Nachsorge-Runde. Da bin ich mal gespannt.

Mein Plan sieht wie folgt aus: erst mal entspannen. Heißt, ich arbeite vorerst nur für SHALK. Neun Stunden die Woche +-, mache die Nachsorge am Dienstagabend, die Selbsthilfegruppe am Mittwoch und sonst nix bis zum Jahreswechsel. Bzw. trete ich mich wieder zum Sport... was heute großartig (nicht) geklappt hat. Aber ich habe einen Morgenspaziergang von einer Stunde und 20 Minuten gemacht. Das soll mir mal einer nach machen ☺ Und die letzten zwei Stunden habe ich dieses Buch hier in InDesign angelegt. Abgefahren wie viele Seiten das mittlerweile sind.

 

Ab jetzt muss ich echt Disziplin beweisen. Nicht irgendjemandem, sondern mir! Klar, ich könnte auch faul aufm Sofa liegen, Chips futtern und nix tun... aber nein! Ich will ja nicht aufgehen wie ein Hefekloß. Daher Disziplin. Zumindest so lange bis mich ein Vollzeitjob wieder in meine zeitlichen Schranken weist und mir die Freizeit auf 1 1⁄2 Stunden verkürzt. Ich glaube es darf mir gerade vorkommen, als wäre ich selbstständig. Also arbeitend... Alles ist Arbeit und alles ist Freizeit.

Ich muss mir feste setzen, damit ich nicht immer arbeite bzw. immer frei mache. So ticke ich nicht. Auch ein Grund weshalb ich mich nie voll selbstständig gemacht habe. Immer dieser Druck! ☺

Aber ok, also Zeit-Management ist gefragt. Toll. Das mach ich gerne. Wie bereits erwähnt, habe ich auch schon einen Wochenplan erarbeitet. Und den versuche ich einzuhalten.

 

 

Die Nachsorge

 

Die tolle Therapeutin, am Telefon mit meinem Freund nennen wir sie liebevoll “Vossi”, hat die Gruppe geleitet. Ich bin noch etwas zwiegespalten zur Nachsorge. Nicht vom Konzept der Nachsorge an sich, sondern gezielt skeptisch “meiner” Gruppe gegenüber. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht doch die Nachsorge bei der Aids-Hilfe hätte wählen sollen. Aber gut, das ist jetzt so. Obwohl? Eventuell kann man das noch ändern? Das werde ich mal recherchieren. Wie dem auch sein. Die Gruppe finde ich etwas staubig. Und ich bin mir noch nicht sicher ob die Gruppe mir etwas geben kann. Von Vossi bin ich voll und ganz überzeugt. Aber die Statisten am Set sind schon recht lau. Sorry wenn ich da jemandem auf den Schlipps trete... aber als 30jährige Schwuppe sind mir die Probleme mit Familie und Co. nicht bekannt. Ich möchte mich da auch nicht reinfühlen müssen. Jeder hat für sich natürlich seine Daseinsberechtigung. Aber ich sehe mich nicht in dieser Gruppe. Mir fehlt die Dynamik oder irgendwas anderes. So wie es bisher läuft, freu ich mich nicht auf nächste Woche. Vossi versucht natürlich nach bestem Wissen und Gewissen aus der Gruppe was zu machen. Aber ich kann mir noch nicht vorstellen hier für bis nächstes Jahr dienstags hin zukommen.

Naja, danach habe ich mich von der Hörwiese verabschiedet. Das ging recht schmerzlos. Mein Grund fürs Gehen hatte noch weniger Worte als ich gerade zur Formulierung brauche: “Tschüss, machs gut”. Der Wahnsinn. Aber ich hatte es mir eigentlich auch nicht anders gedacht. Alles was er hätte sagen können, wäre ein Eingeständnis seinerseits gewesen... und dazu fehlt ihm glaube ich das Rückgrad. Ich glaube er ist wirklich feige, oder kann noch weniger zu sich stehen, wie ich es tue. Schon schade. Aber damit muss ich mich jetzt nicht mehr rumschlagen. ...es sollte mich auch nicht mehr kümmern.

 

Was ich sehr schön fand: jemand hatte ein Geschenk für mich. Ein kleines Zettelchen von AAs “Gestern-Heute- Morgen”. Ein wirklich toller Text. Eine wirklich schöne Geste.

https://www.ea-selbsthilfe.net/literatur/gestern-heute- morgen/

Auch noch mit auf dem Zettel https://www.ea-selbsthilfe.net/literatur/nur-fuer-heute/

 

Die AAs oder EAs haben das tatsächlich schützen lassen... daher nur die Links weil ich nur mit schriftlicher Genehmigung deren Texte verwenden dürfte... und bis die antworten... wer weiß wie lange das dauert :)

 

 

Mittwoch

 

Ich habe mir ja einen Wochenplan gemacht für ab nach der Reha. Ich hätte da mal nicht “Sport” drauf schreiben sollen :) Das könnte zu mittelschweren Frustrationen führen :) Aber abgesehen davon scheine ich mich gut dran halten zu können. Zumindest aktuell. Ich habe mir vorgenommen, in Kombination mit dem 450-Euro-Job, mich an feste Zeiten zu halten. Also frühes Aufstehen gegen 5:30/6 Uhr. Wie gewohnt fertig machen, ggf. duschen etc. und gegen 6:45 Uhr das Haus zu einer Morgenrunde von min. 30 Minuten verlassen. Es darf auch eine ganze Stunde sein. Sollte ich die Morgenrunde nicht laufen, soll ich ins Fitness-Stuido oder schwimmen gehen. Danach Haushalt oder Arbeit. Montags wollte ich nur nachmittags arbeiten. Dienstag gar nicht. Mittwoch nur vormittags. Den Donnerstag nach Bedarf vor Ort in Duisburg komplett und freitags nur vormittags. Zudem eine feste Mittagszeit von 45 Minuten im Zeitraum zwischen 12:30 und 14:30 Uhr. Feierabend gegen 17:30/18:30 Uhr. Im Anschluss eine Abendrunde von ebenfalls min. 30 Minuten. Außer Dienstag und Mittwoch. Hier steht die Nachsorge- und Selbsthilfegruppe an.

 

Mal schauen ob das weiterhin so gut klappt. Bisher kann ich mir da schon auf die Schulter klopfen. Nur habe ich es noch nicht ins Fitness-Stuido geschafft :) dafür werden meine Morgenrunden aber länger. Hauptsache Bewegung.

 

 

Heute, Mittwoch, habe ich mal meine ganze Ablage sortiert und jedes Schreiben oder Brief in seinen Ordner abgeheftet. Die letzten Wochen habe ich wieder geschludert und die Post nach dem Öffnen einfach nur in eine Kommode geworfen. Jetzt hat alles wieder seine Ordung.

 

Ich habe noch gefühlte 20 Kilo und 1.000 Seiten Infomaterial von SHALK zu lesen. Zumindest habe ich mir das vorgenommen. Infos zu Crystal Meth, Medikamenten-abhängingkeit, Essstörungen, Canabis, Glücksspiel etc. Schließlich möchte ich ja Ahnung davon haben und bei Bedarf beraten können oder wissen wovon gesprochen wird. Wusstet Ihr, dass sich die Rauschgiftsicherungsfälle von Crystal Meth in dem Zeitraum von 2008 bis 2014 verzehntfacht haben? 2008 waren es noh knapp 400 Fälle. 2014 an die 4.000! Ich glaube, ich wusste vor 2012 noch nicht mal, dass es so was gibt. Das gleiche mit den gesicherten Mengen. Vor zehn Jahren waren es 4,2 kg, vor zwei Jahren schon im Schnitt über 70 kg. Der Hammer. Ja, wie man sieht, befasse ich mich allmälig auch mit anderen Themen als nur meiner Alkoholsucht :)

 

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich an dieser Stelle aufhören soll zu schreiben, oder ob ich abwarten soll was noch so passiert. Wird es die Leute interessieren was ich bis Weihnachten mache? Wie die Feiertage waren? Ob ich ab März einen Vollzeitjob bis August bekomme und wie die Weiterbildung sein wird?

 

Oder sollte das in einem zweiten Teil erscheinen? “ich bin doch kein Alkoholiker zwei Punkt Null” oder “Alki, jetzt erst recht” oder “Nach dem Rückfall ist vor dem Rückfall” oder “Punkt Punkt Komma klar”. Ich hab noch keinen Verlag der mir hier jetzt ein Paar Tipps geben könnte :)

 

Auf dem Weg zur Selbsthilfegruppe hatte ich ein tolles Gefühl. Es war nur ein Bruchteil einer Sekunde, eine Nanosekunde, ein Wimpernschlag währe eine Ewigkeit gewesen... ein Moment in dem ich mich vollkommen unbeschwert gefühlt habe. Keine Gedanken, nur die Herbstluft und die Abenddämmerung, Blätterrascheln und eine leichte Brise. Ich war mit allem zufrieden bzw. über nichts unzufrieden. War das Glück? War das Glücklichsein? Ist das das Gefühl gewesen nachdem ich gesucht habe? Warum muss ich es zer-denken? Ist es wieder weg? Es war auf jeden Fall da. Dann kamen meine Gedanken wieder. Das war ein tolles Gefühl. Dieses Gefühl möchte ich länger verspüren :) Wenn das Glück war, bin ich also fähig glücklich zu sein :) Das kommt in mein Bilanz-Buch unter den Punkt “Genuss”, denn diese Nanosekunde habe ich genossen, sogar jetzt noch. Die bloße Tatsache, dass ich das fühlen kann, macht mich tierisch stolz und zuversichtlich.

 

Wenn ich mir jetzt noch überlege, dass ich erst am Anfang meiner trockenen Karriere stehe, dann muss ich mich wohl oder übel auf viele glückliche Momente einstellen :) Und ich habe nicht vor von dieser Karriereleiter abzusteigen. Solche Momente bestärken mich darin, auf Bier, Gin Tonic und Kippen zu verzichten. In solchen Momenten merke ich, wie es sich lohnt nicht betäubt zu sein, sondern wirklich und real zu fühlen. Keine künstlichen Emotionen. Pures Dasein. Unlackiert und blank. Kein blanker Nerv wie der wütende Hulk. Eher eine ehrliche Haut mit Gefühl. Etwas unschludiges vielleicht sogar. Ich glaube das meint die Bibel mit der Jungfräulichkeit Marias. Es hat etwas Schuldloses an sich. Keine bösen Absichten. Nur das beste im Sinn. Zumindest Ehrlichkeit und Natürlichkeit. Für diesen Moment bleibe ich weiter abstinent. Für alle anderen Momente, die mich eher verunsichern, werde ich noch sorgen. Aber ich bleibe ohne Betäubung, unverändert, bar ungekünstelt. Ohne Schutzschild aber mit Vorsicht. Ohne Anforderungen an mich aber mit Hoffnung das es klappen wird. Ohne Angst vor dem Morgen. Ohne Trauer wegen gestern. Nichts bereuen und sich freuen :)

 

Donnerstag ist eigentlich nicht so viel passiert. Ich kränkel etwas, aber sonst ist alles fein.

Wichtig war der Freitag für mich. Beim Mittags- spaziergang habe ich mir überlegt wo ich wie arbeiten möchte. Die buddhistischen, rechten Wege sind mir da recht wichtig. Also rechtes Handeln, Arbeiten, Leben etc. Rechts nicht im Sinne von Nazi sondern im Sinne von richtig, gerecht, korrekt, nachhaltig etc. Ich musste mich da an diverse Bewerbungsgespräche erinnern. So mit dem Typus “sackrasierter Start-Up-Mastubateur”. Weißte was ich meine? Die die entrepreneurial denken und leben. Dieses Wort “entrepreneurial”, der helle Wahnsinn. Manchmal sind Anglizismen echt unnötig. Unternehmerisch. Frisch von Uni, noch nix von der Welt gesehen außer ne Plantage in Austalien wo mein sich seine Auszeit nach der Uni gegönnt hat... Weißheit größer als das milchbubi-hippster Bärtchen, keine Ahnung von allem und meint mir zu sagen wie der Hase läuft. Die können meist n Kaninchen nicht vom Hasen unterscheiden. Aber unternehmerisch denken wollen.

 

Und so einer meint dann mit gefärbtem “Vollbart”, kariertem Flanellhemd und einer Jeans, nicht Secondhand sondern vintage für mehrere Hundert Euro, mit Löchern und dann bei gefühlten minus 30 Grad unter Null hochgekrempelt über die Knöchel, Respekt von mir bekommen zu können. Wie soll ich so einen Heini ernst nehmen? Individuell und interessant wie ein Toastbrot mit Nutella? Alter! Kannste knicken! Da könnt ich n Buch drüber schreiben wie mich so was angekotzt. :) Allein der Gedanke. Und so einer soll später meine Rente bezahlen? Na dann schönen Feierabend. Da sorg ich doch besser selbst für mich vor, als mich auf eine eventuelle Rente zu verlassen. Müsste ich aber erstmal noch n paar Jahre für arbeiten.

 

Bin ja erst 30. Mmmmhh... wo könnte ich arbeiten?

 

Darüber wollte ich mir eigentlich Gedanken machen :) Nicht über den mastubierenden, haarlosen Sack der mich einstellen könnte. Also wieder zurück zum Thema. Wo soll ich arbeiten? Wie will ich arbeiten? Kann ich Work-Life-Ballce überhaupt realisieren? Oder verwandelt sich die Arbeitswelt für mich in eine 24/7 Gesellschaft und sonntags über mir in der Wohnung darf gesaugt werden? Haben die Leute keinen Respekt mehr vor einem ruhigen Sonntag? Wie wenig arbeiten diese Helikopter-Mütter unter der Woche, dass sie auch noch sonntags saugen müssen?

 

Und dann beschweren sie sich über zimmerlaute Musik am Donnerstag um 20 Uhr... ja ne ist klar. Also besser umziehen, in ein Haus ohne sich reproduzierende Pärchen, die es für ein Wunder halten das Sperma + Eizelle = Leben ist. Soll ich dem Typ auf die Schulter klopfen weil er etwas geschafft hat, was alle schaffen? Ja wow Mann, du bist unglaublich toll, du hast deinen Penis da rein gemacht und dann wird der Bauch der Trulla dick? Wahnsinn? Ohne Hilfe? War keiner dabei und hat geholfen? Ganz allein geschafft? Toll! Und wie die Trulla einen dann anschaut. Als müsste man die mit Zuckerguss überschütten, weil sie so schwanger so süß aussieht. Mann Alte! Du wurdest gefickt. Ihr habt gefickt. Ich habs gehört! Und es schien ihr nicht gefallen zu haben!

Wahnsinn, ohne Alkohol trau ich mich so was zu schreiben :) Sonst brauchte ich für solche Gefühlsausbrüche 2-3 Biere oder fünf. Jetzt schreib ich das einfach mal so locker hier hin. Toll. Und ich meine es ernst. Ganz ehrlich. Jedem dem ich zur Schwangerschaft gratuliere, darf sich gerne an diese Zeilen erinnern. Es juckt mich nicht. Ich hoffe ihr werdet glücklich und erzieht das Kind ordentlich. Falls nicht, werde ich nämlich nicht drauf aufpassen :)

Bei meinen lesbischen Freundinnen ist das was anderes. Hier wurde keiner gefickt. Es war eine künstliche Befruchtung mit viel Arbeit und langem langem Bangen. Ich glaube es hat drei oder vier Anläufe gekostet (und auch wirklich gekostet, dat war nich billig dahin gewichst). Da freu ich mich für. Das ist ein Wunder! Da kann man gratulieren, dass man die Mühen und

Strapazen einer Hormonbehandlung und mehreren künstlichen Befruchtungen auf sich nimmt, um einem kleinen zauberhaften Wesen das Leben zu schenken. Da steh ich voll und ganz hinter.

Aber nicht hinter Jeremy Pascal der mal wieder ohne Gummi die Jaqueline bumst. “Gott sei Dank kein Tripper, nur schwanger!” Armes Deutschland.

 

Aber ich schweife erneut ab...

 

Genau das ist das Problem mit der Gelassenheit :) Man vergisst sie so leicht. Ruhe und Gelassenheit würden mir in solchen Momenten helfen. Wer bin ich, dass ich diese Menschen veruteile? Deren Lebenseinstellung hat nichts mit mir zu tun. Das ist deren Sache. Ich lasse mir ja auch ungerne was sagen. Zumal ich mich jetzt, für meine Verhältnisse, auf einem guten Weg befinde. Da würde ich mir nicht mehr rein reden lassen. Und ich sollte mich von solchen Schwingungen nicht aus meiner Gelassenheit bringen lassen. Aus der Haut zu fahren bringt doch nichts... dadurch entferne ich mich nur von meinem Inneren. Und da möchte ich ja schließlich hin und bleiben. Also a la Meditation. Nein, nicht Mediation im Sinne vom Schneider- oder Lotussitz in einem rot/ orangen Lappen auf irgendeinem Berg oder in einer Höhle auf dem Himalaya.Mit Meditation ist eher eine entspannte, heitere und gelassene Stimmung zu haben. Eine gechillte Sicht auf die Dinge zu bekommen und nach Möglichkeit zu behalten. Statt zu sagen, dass ich mich in Mediation über, könnte ich also genauso gut sagen “ich versuch zu chillen”. Aber Mediation klingt cooler :)

 

Im Grunde geht es nur darum, zu sich zu kommen. Bei sich zu sein. Zur Ruhe zu kommen und die Dinge wertfrei so annehmen wie sie sind.

 

Was mache ich also beruflich? Gerade ist Post vom Arbeitsamt reingeschneit. Ich würde noch bis Mitte Mai geld bekommen. Danach ALG2... aber so weit solls ja nicht kommen. Also Mitte Mai. Dann hätte ich mindestens drei Monate die es zu überbrücken gilt. Am 20. August soll die Weiterbildung ja starten. Das sollte doch zu schaffen sein. Am liebsten wäre mir natürlich was ab März... dann hätte ich n halbes Jahr wieder was im Lebenslauf stehen. Sonst hätte ich: halbes Jahr arbeitslos, halbes Jahr Reha, halbes Jahr arbeitslos, Weiterbildung. Das sähe doof aus. Aber was? Was soll ich machen? Ich möchte eigentlich keine Produkte verkaufen. Keine Social Media Kacke machen, die keinem was bringt.

 

Ich sollte mich wieder beruhigen. Ich kann die Leute nicht ändern, aber ich kann mich ändern bzw. anders sein. Ich kann meine Einstellung zur Gesellschaft ändern und / oder es einfach anders als alle anderen machen und leben. Ich habe irgendwo den Begriff des “Anhaften” aufgeschnappt. Also z.B. an einen Gedanken, positativ wie negativ. Im Negativen ist es leichter zu verstehen: Das Anhaften an Neid oder Frust oder Wut. So wie ich eben... von Start-Up-Leuten über Hausfrauen zu Hartz4- Empfängern habe ich mich hochgehetzt und in Rage gedacht. Weil ich an dem Negativen kleben blieb bzw. angehaftet blieb. In dem Moment hätte ich auch locker eine rauchen können :)

 

Mit den posititiven Aspekten sieht es ähnlich aus. Wenn ich Hals über Kopf verliebt bin, bin ich quasi blind vor Liebe. Alles ist toll. Aber ich sehe auch ggf. den Ernst einer lage nicht und nehme vieles auf die Leichte Schulter. Oder ich vernachlässige andere Dinge wie mich Selbst z.B.. Wenn ich meinen Schatz morgens, dann noch mal vor, nach und in der Mittagspause anrufe und vielleicht noch mal auf dem Heimweg, kriege ich nicht mit, was um mich herum passiert. Ich klebe voll fest. Ich habe keinen Sinn mehr für andere Dinge, die ggf. auch wichtig sind. Auch ein gutes Beispiel hierfür war ein Reha-Kollege. Der telefonierte nämlich wirklich, gefühlt, immer mit seiner Frau. Morgens als er in die Reha kam, dann in den Zwischenpausen oder in der Mittagspause... von außen hat es auf mich gewirkt, als würde er immer an der Strippe hängen. Mir kam es nie vor, als würde er, nach einer Psychotherapie-Sitzung z.B., erstmal zur Ruhe kommen und sacken lassen, was gerade so passiert ist. Erst mal wieder zu sich kommen. Sich auf sich besinnen. Veränderung zu lassen. Nein. Handy ans Ohr und “na, was machst du so?”. Als wäre es vollkommen uninteressant gewesen, was gerade in der PT-Runde passiert ist. Oder als wolle er sich gar nicht mit sich beschäftigen. Naja, vielleicht kann er es auch nicht. Nicht meine Wurst. Das muss er hinbekommen. Hauptsache er ist glüklich damit. Nur was mich dann stört ist, wenn er und ein weiterer Kollege, in anderen Stunden dann Unsinn treiben. Hier Faxen machen, da rumblödeln... als würde die Ernsthaftigkeit völlig fehlen. Als wäre man auf einem 15-wöchigem Schulausflug. Naja, wie gesagt. Nicht mein Thema. Sollen sie glücklich werden.

 

Wenn, dann sollten die Therapeuten hier ja auch was merken und handeln falls sie das für nötig ansehen. Vielleicht tun sie das ja auch zeitnah :) Aber ich kam mir schon komisch vor, wenn eine Therapeutin in einer Gruppen-Psychotherapie-Stunde zu zwei Mitpatienten sagt: “Ich überlege schon Sie auseinander zu setzen...” und die beiden kichern vor sich hin... Hallo? Den Ausdruck habe ich das letzte Mal in der Grundschule gehört. Auseinander setzen. Unmöglich! Wir sind hier in einer Suchtbehandlung. Harte Scheiße ist uns passiert, weshalb wir hier sitzen. Einer hat sogar seinen Sohn verloren! Und ihr schäkert rum als wäre alles gut. Klar, man kann hier auch von Verdrängung sprechen und “das man es mal auch schön haben will”... aber dafür sind andere Therapieeinheiten da oder die Pausen. Mann Mann Mann... Das musste ich mal los werden. Hoffentlich seid ihr erwachsener geworden und nehmt die Sache mal ernst. Ihr solltet immerhin freiwillig hier sein, um euch zu verändern. Um Hilfe zu bekommen. Um eure Probleme zubearbeiten. Das ist kein Spaß hier. Das ist harte Arbeit verdammt. Sonst geht zurück aufs Straßenfest und hofft das beste und dass ihr nicht nochmal besoffen auf der Arbeit erwischt werdet... ok, das war gemein... aber genau so gemein finde ich es, wenn die Einheiten nicht ernst genommen werden. Zumal ich da gerne konziert saß und mich um mich kümmern wollte. Geistig gesund werden. Die Sucht bekämpfen. Meine Psyche wieder unter Kontrolle haben. Erkennen was mit mir läuft. Wo ich ansetzen muss. Wo ich Hilfe brauche. Was ich überhaupt brauche, um wieder zu funktionieren. Wo ich Hoffnung schöpfen kann. Und was ich verbannen sollte. Ich weiß, dass nicht alles im Leben so ernst genommen werden sollte. Aber eine Therapie / Reha für Sucht sollte man schon erst nehmen. Und hey, es sind nur kanpp zwei Stunden PT. Danach dürft ihr wieder im Sandkasten spielen.

 

 

Probier’s mal mit Gemütlichkeit,

mit Ruhe und Gemütlichkeit

jagst du den Alltag und die Sorgen weg.

Und wenn du

stets gemütlich bist

und etwas appetitlich ist,

dann nimm es dir egal von welchem Fleck.

(Sherman Brothers)

 

 

 

Zurück zu meiner beruflichen Laufbahn. Ich glaube ich google erstmal Hilfsorganisationen in und um Köln.

Da sollte sicher etwas dabei sein. Ich könnte mir vorstellen, dass die jemanden wie mich gebrauchen können. Hoffentlich können die mich auch bezahlen :( sonst bringt der ganze gute Wille nix :)

 

 

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