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Wie war das nochmal mit Oma?

Letzte Woche lag ich in der Badewanne. Nach einem sehr dramatischen Film mit Tränen und Geheule, wollte ich entspannen. Die ganze Last vom Film wollte ich abwaschen. Der Film war gut – aber er hat mich doch sehr mitgenommen. Nach einer Weile in der Wanne habe ich mir den Unmut regelrecht weggeatmet. Nochmal geheult und war wie ausgewechselt. Völlig klar. Ein schönes Gefühl. Mir kam in dem Moment eine Frage in den Sinn: Bin ich seit dem Tod meiner Oma so unsicher? Zur Erklärung: Als meine Oma starb, wusste ich nicht, dass sie im Sterben lag. Meine Eltern wurden angerufen und wir sind zum Krankenhaus gefahren. Im Auto hatte ich mir ein Szenario ausgemalt... ein Arzt sagt uns mit bedrückter Stimme zu meinem Vater, dass „ihre Mutter leider verstorben ist“... ich war glaube ich neun oder zehn Jahre alt... sofort habe ich den

schrecklichen Gedanken zur Seite gedrängt. So was denkt man nicht. So was darf ich nicht denken. Alles wird gut. Ist bestimmt nur eine kleine Komplikation. Im Krankenhaus angekommen, war es mehr oder weniger so wie befürchtet hatte. Meine Oma war Tod, die Maschinen wurden ausgemacht. Ich habe meinen Eltern nie von meinen Gedanken im Auto erzählt. Ich hatte Angst, dass das eine Gabe war oder so was. Jedenfalls könnte ich mir vorstellen, dass sich dadurch meine Unsicherheit gefestigt hat. Meine Befürchtung wurde war. Meine schlimmste Befürchtung wurde war. Das kann mich doch ziemlich verunsichert haben, oder? Denn wenn das gestimmt hat... dann könnten ja auch alle meine anderen Befürchtungen und Unsicherheiten ihren Grund und ihre Daseinsberechtigung haben. Dann mache ich mir auch nicht umsonst Sorgen. Dann habe ich das alles zu befürchten, was ich mir ausmale. Zumindest hat sich das der kleine Mathias eventuell Gedacht. Die Frage beschäftigt mich gerade und ich werde versuchen meine Therapeutin oder die Gruppe darauf anzusprechen. Ob das sein könnte oder ob es „nur“ in Summe der anderen Vorkommnisse meine Psyche entsprechend geformt hat.

 

 

Nur zehn Schritte

Auch in der letzten Woche: In einer Übung sollten wir uns vorstellen, dass unser Weg, den wir bisher hinter und noch vor uns haben, in zehn Schritte aufgeteilt ist. Und wir sollten uns dort hin stellen, wo wir meinen aktuell zu stehen. Vor uns wurde eine Matte mit zehn Fußspuren ausgerollt. Ich habe mich zwischen die fünfte und sechste Spur positioniert. Wieso?

 

Ich glaube aktuell an einem Punkt angekommen zu sein, an dem mich nicht viel mehr zurück werfen kann. Ich glaube einen ziemlichen guten Stand zu haben und dass es für mich nur noch vorwärts gehen kann. An erster Stelle, also dem ersten Schritt, sehe ich für mich eine Ohnmacht. An dem Punkt war ich sehr perspektivlos. Im zweiten Schritt wurde ich offener. Dann, mit dem dritten Schritt, sah ich die Möglichkeiten die sich mir bieten, ich hatte wieder Perspektiven. Am vierten Schritt glaube ich, dass ich zur Ruhe kommen musste, äußerlich wie auch innerlich, um mir Klarheit zu verschaffen. Der fünfte Schritt ist für mich ein Punkt an dem ich die neuen Möglichkeiten ausprobiere und kennenlerne, fühle und abwäge, was mir gefällt oder hilft und was nicht. Der sechste Schritt, vor dem ich noch stehe, ist für mich ein ansatzweise sicheres Jahr 2018. Mit einer Weiterbildung, nem Nebenjob und einer guten Ausgangsposition. Die Sieben wäre für mich zu wissen was ich eigentlich will ☺ An der achten Stelle sollte das Gefühl stehen, das Steuer wieder selbst in der Hand zu haben, autonom zu sein und im Einklang mit mir. Für die Neun sehe ich einen Job, bzw. dass das Thema Job und Arbeit zur Ruhe kommt und ich berufsmäßig irgendwo ankomme. Ankommen um zu bleiben. Der finale zehnte Schritt wäre dann, dass ich alle Ängste und Unsicherheiten akzeptiere, zufriedener bin, kritisch betrachten kann, was nicht stimmt und mich nicht mehr entmutigen lasse. Alles mit Mitgefühl, Selbstliebe und Achtsamkeit, Vertrauen in mich und das mir die Gegenwart gefällt.

 

 

And there’s a road I have to follow
A place I have to go
But no one told me just how to get there

But when I get there I’ll know ‘Cause I’m taking it...
Step by step
Bit by bit
Stone by stone
Brick by brick
Step by step
Day by day
Mile by mile
Go your own way

(Whitney Houston) 

 

 



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