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So oder so - jetzt!

Die Woche ist um. Hier sitze ich nun. Seit gestern Abend 21h habe ich nicht mehr geraucht. Seit drei Stunden bin ich wach und habe nicht mehr geraucht.

Aber das ist jetzt noch nicht mal das wichtigste, das mir aktuell durch den Kopf geht. Vorgestern habe ich mein erstes Buch von Osho fertig gelesen. Der Titel war „Empathie“... gemeint war nicht nur das Mitgefühl für andere, sondern vorrangig das Mitgefühl für sich selbst. Selbstliebe. Ein besonders Thema für mich... da ja Selbstvertrauen und Selbstsicherheit etc. meine Top-Themen sind. Jetzt auch noch Selbstliebe? ☺ Ein Gefühl für mich entwickeln, mitfühlend zu mir sein, Selbstmitgefühl haben.

 

Na gut. Dann versuche ich mal anzufangen mich selbst zu lieben. Wie war das noch? Du kannst niemanden lieben, wenn du dich nicht selbst liebst? Das ist hart. Aber das kenne ich. Ich kann mich selbst sehr gut kritisieren. Und Kritik auch anderen gegenüber äußern. Ich kann mich schwer für andere freuen oder mich dafür interessieren wie es ihnen geht. Mir gegenüber habe ich da aber auch meine Probleme. Nicht dass es mir egal wie es anderen geht... nur spielt es für mich keine besonders große Rolle, da man sich den aktuellen Gefühlen nicht ausgeliefert fühlen muss und sie verändern kann. Deshalb finde ich eine aktuelle Befindlichkeit nicht besonders weltbewegend... sie wird sich wieder verändern. Aber diese Unfähigkeit sich zu freuen, stolz zu sein oder mich meinen Gefühlen zu zuwenden... das fällt mir wirklich schwer. Natürlich hat sich das seit einigen Wochen hier

 

in der Therapie gebessert. Ich verarsche mich selbst nicht mehr so viel, wenn es um bestimmte Empfindungen geht. Und ich spüre viel exakter was gerade mir passiert... klar, ich betäube mich auch nicht mehr.

Und gerade finde ich nicht, dass mir die Zigaretten fehlen die ich heute Morgen vorm Duschen geraucht hätte, oder die aufm Weg zur Bahn, die die ich beim Warten auf die bahn geraucht hätte, die Zigarette nach der Bahn auf dem Weg zur Reha, die Zigarette nach der Morgenrunde, und die Zigarette vor der Morgenrunde natürlich... all diese... ich komme mir, glaube ich, etwas leichter vor... jetzt wo ich drüber nachdenke, bekomme ich etwas Druck. Aber sicher nur weil ich mir vorgestellt habe, wie ich wann all diese Zigaretten geraucht hätte.

 

Mein Körper sollte eigentlich langsam mal nach Nikotin verlangen... merke ich das nicht oder hofft mein Körper ihn irgendwann heute noch zu bekommen? An sich sollte er ja wissen, dass nach dem Aufstehen eigentlich unmittelbar die Zigarette im Mund ist... und das ist jetzt schon vier Stunden her. Hallo? Körper? Noch jemand da? ☺ Aber wie dem auch sei. Ich rauche nicht mehr. Ich rauche jetzt nicht mehr. Ich rauche heute nicht mehr. Und wenn alles gut geht nie wieder. So oder so, ob ich Suchtdruck bekomme oder nicht, jetzt rauche ich nicht mehr.

Wenn ich das mal zu meinen Gefühlen sagen könnte. „So! jetzt bin ich mitfühlend! Jetzt liebe ich mich!“ Das geht nicht. Das kann ich nicht einfach „machen“, das muss ich fühlen. Das muss ich fühlen lernen. Wie geht das?

Nach Osho kann das etwas dauern. Bzw. sollte man verstehen,

dass das nicht so einfach geht, aber doch recht einfach ist. Wir haben oft Angst. Angst, dass etwas passiert. Angst, dass wir etwas nicht schaffen. Angst, dass uns jemand verlässt. Der Vorteil an der Selbstliebe ist ja schon mal, dass wir uns selbst nicht verlassen können ☺ also brauchen wir davor keine Angst haben. Wir können uns selbst auch nicht fremdgehen... obwohl, das schon. Wir könnten unsere Prinzipien über Bord werfen und etwas anderes machen. Wir können uns selbst untreu werden. Ok, also die Angst wäre dann auch berechtigt. Aber wir können uns ja dabei selbst in flagranti erwischen ☺ Jedenfalls: Das Thema Angst. Das zweite Buch das ich von Osho lese handelt genau davon. Und gerade geht es hauptsächlich um „Leben und Tod“. Dass wir, wenn wir den Tod fürchten, eigentlich auch das Leben fürchten bzw. gar nicht wissen was „Leben“ ist oder bisher nicht wirklich gelebt haben... das ist gerade etwas zu hoch und darüber wollte ich auch gar nicht schreiben. Es geht mir eigentlich um das Mitgefühl. Wenn ich für andere nicht mitfühlend bin, bin ich es für mich erst recht selbst nicht. Das sollten wir lernen. Für uns selbst mitfühlend sein. Das geht nur ohne Angst, bzw. nur wenn wir Angst haben und mutig sind. Wir brauchen keine Angst vor uns selbst zu haben. Wir sind als Kind ohne jegliche Angst, Sorgen oder Kummer auf die Welt bekommen. Wir hatten nichts. Wir waren frei und glücklich (außer natürlich wenn wir Hunger hatten, dann wurde geweint... aber zum Großteil waren wir happy ☺). Alles andere haben wir mit der Zeit bekommen. Wir haben Vorteile, Verhaltensregeln, Meinungen, Sorgen, eine Erziehung erhalten.

Wir wurden ausgebildet keinem zu vertrauen.

Wir wurden erzogen zu fürchten.

Oder dankbar zu sein, klein zu sein, nicht würdig oder wertvoll zu sein. Sei gottesfürchtig. Sei nett zu den Leuten.

Liebe deinen Nächsten. Aber das wichtigste an diesem Gebot ist „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“. Das vergessen wir! „Wie dich selbst“, also zuerst einmal wir selbst uns, damit wir andere lieben können. Damit wir einen Vergleich haben, damit wir mit einem Maß messen können. Wie dich selbst! Wer würde auf anhieb sagen, dass es in der Bibel um Liebe und Selbstliebe geht? Keiner oder? Wir sehen die Bibel als die Geschichte von Gott und Jesus und seinen Jüngern und wie die Welt entstanden ist... wir glauben es sei eine Nacherzählung. Ich für mich glaube ja, dass es „nur“ eine Handlungsempfehlung ist. Das gleiche wie die Ansichten in anderen „Religionen“. Das sind für mich nur komisch verpackte Lebenseinstellungen oder Sichtweisen wie ein gemeinsames Leben aussehen kann. Und im Prinzip könnte man sagen, das bestimmte Ausschnitte weitergeben wollen, dass Selbstmitgefühl, Selbstliebe und Liebe das wichtigste ist. Das Leben und Tod zusammen gehören. Genau wie die Liebe zu uns und unseren Mitmenschen. Wenn ich mich selbst hasse, kann ich auch großartig „zurück hassen“. Wenn ich selbst nicht mit mir zufrieden bin, kann ich super über andere herziehen. War es nicht so, dass die Kinder, die andere gemobbt haben, selbst die größten Probleme hatten und versucht haben, das zu kompensieren? Wie toll wird das denn, wenn wir uns selbst lieben? Wenn wir für selbst mitfühlend sind? Das kann ich mir unheimlich toll vorstellen. Wäre das das Paradies? Wir sollten in erster Linie selbstsüchtig sein... obwohl das Wort glaube ich

nicht wirklich passt. Aber, solange ich mir selbst nicht vertraue, nicht zu mir stehe, ich mich nicht fühlen kann, ich mich nicht mag, ich mit mir nicht zufrieden bin... solange kann ich das auch nicht für jemanden anderen sein bzw. tun. Deshalb fällt mir gerade auch auf, warum ich an so vielen Stellen Kritikpunkte bei meinem Partner sehen kann > Weil ich so viele Punkte auch bei mir finde.

 

Wenn ich aber erstmal auf mich schaue, und den anderen sein lasse, so wie er ist, und ich mich um mich kümmere, dann fällt mir nichts Negatives an meinem Gegenüber auf. Ich beschäftige mich mit mir. Ich bin vielleicht heute zufrieden mit mir. Da kann mir das keiner vermiesen. Wenn ich aber nicht an mich glaube, nicht darauf vertraue, dann braucht nur eine kleine Kleinigkeit passieren und es wird mir verdorben. „ich habe es doch gewusst“, „Natürlich konnte das Glück nicht von Dauer sein“; „Natürlich hab ich jetzt wieder Pech“. Pech und Glück sind nur Sichtweisen. Ob Zufall oder Schicksal wirklich existieren, kann keiner sagen.

Auch Probleme sind nur so lange Probleme, wie sie welche für uns sind. Ein Problem muss keines sein, vielleicht ist es nur eine Option, eine Herausforderung. Wieso müsse Probleme immer auch welche sein? Es gibt so viele Lösungen und Möglichkeiten, wie können wir da überhaupt Probleme haben? Meistens gibt es doch sogar mehr Möglichkeiten als Probleme, oder? Die einen gehen schneller, die andern sind nicht so optimal... aber sie sind Möglichkeiten. Wie können wir mit dem Begriff „Problem“ besser umgehen? Warum haben wir so ein Problem mit Problemen? ☺

 

 

 

23. Oktober 2017

Ich rauche seit 5 Tagen nicht mehr. Unglaublich.
Nach 16 Jahren habe ich es geschafft nicht zu rauchen.

Und gestern Abend hatte ich endlich auch mal Suchtdruck. Das hatte mich die ersten Tage tatsächlich etwas enttäuscht. Ich hätte gedacht, viel früher Druck zu bekommen.

Gestern war es dann so weit: Ich kam vom Deutzer Bahnhof. Frisch aus dem Wochenende in Ennepetal angekommen, bin ich zu Fuß Richtung Heimat. Auf dem Weg habe ich über die letzten Seiten aus dem Osho- Buch „Emotionen, Frei von Angst, Eifersucht, Wut“ nachgedacht. Ich habe versucht mir die Situationen hervor zuholen, in denen ich auf Leute neidisch bin, die besser aussehen als ich. Die ggf. muskulöser sind, volles Haar haben, keine Haare am Rücken oder den Ohren haben, ggf. besser bestückt sind... all das jedenfalls. Und ich habe versucht zu schauen, was mich in diesen Situationen so unsicher macht. Mir wurde teilweise bewusst, dass es Ängste sind. Angst vor Ablehnung, Angst nicht gemocht zu werden, Angst verurteilt zu werden, etc. Ich habe mich ziemlich gut in die Situationen hineingefühlt.

 

Und schwupps, wollte ich rauchen! Jegliche Unsicherheit aus den Situationen war quasi real bei mir. Ich hab mir alles ausgemalt. Zigaretten kaufen, wollte ich mir eigentlich nicht. Mein Portmonee habe ich aber schon aus dem Rucksack geholt und in meine Jackentasche gesteckt. Vor meinem inneren Auge konnte ich sehen, wie ich an der Küchentür stand und geraucht habe. Aber kaufen wollte ich mir keine Schachtel. Auch nicht zu dem einen Kiosk gehen wo man einzelne Kippen kaufen kann. Ich war fast zu Hause. Dann fiel mir mein kleiner Mülleimer ein, den ich auf der Terrasse hatte, um die Aschenbecher zu entleeren. Vielleicht waren da noch nicht-aufgerauchte Kippen drin. Das war mir so egal. Die wollte ich suchen. Auch wenn ich nur 2-3 Züge hätte nehmen können. Vollkommen egal wie eklig das war. Das mache ich. Das wird mich daran erinnern wie eklig rauchen ist. Den Rückfall werde ich dann morgen in der Psychotherapierunde gestehen. Ich habe schon versucht meinen Freund zu erreichen, aber er geht nicht ans Handy. Ok, dachte ich, wenn ich ihn nicht erreichen kann, dann muss ich halt n Rückfall haben. Ist ja auch nicht schlimm. Ein Rückfall ist kein Weltuntergang. Klar ist das nicht gut. Aber ich hab 16 Jahre geraucht, und jetzt 5 Tage nicht. Das ist eine tolle Leistung. Und Rückfälle gehören doch dazu... ich bin jedenfalls zu Hause angekommen. Ich packe meine Sachen aus, ziehe mich um, schalte meinen Rechner an. Als alles fertig für den Abend war, ging ich auf die Terrasse, um den Mülleimer zudruchwühlen. Weg! Stimmt! Den habe ich ja auch schon weggeworfen, um genau diese Situation vermeiden zu können. Ich wusste auch noch, das mindestens 2 oder 3 Kippen da waren die ich letzte Woche Mittwoch nicht zu Ende geraucht hatte. Die sind aber samt Mülleimer bereits weg. Sehr gut vorgesorgt! Ich habe mir selbst auf die Schulter geklopft. Gut, dass ich das gemacht hab. Jetzt müsste ich mich wieder anziehen und vor die Tür, um welche zu kaufen, und diese Blöße wollte ich mir nicht geben.

 

Kurz darauf rief mein Freund zurück. Alles gut. Ich habe ihm die Situation erklärt und er hat sich entschuldigt. Macht aber nichts. Ich konnte mich selbst ja zähmen. Aber schon krass wie der Kopf sich beeinflussen lässt. Kaum ist eine stressige Situation da, geht der Film im Kopf weiter.

Aber alles in allem bin ich sehr froh, dass ich die letzten Tage sonst keinen Suchtdruck hatte. Ok, gerade bin ich etwas gereizt, aber das liegt mehr an den Kopf- oder Kiefer- oder Nasennebenhöhlen-Schmerzen die ich habe. Und ich hoffe, dass das nur das Abklingen der Erkältung ist. Abgesehen davon kann ich glaube ich stolz sein. Ich hab mich acht Wochen auf den Ausstieg vorbereitet. Zu erst reduziert, (von 25-30 auf 15 und dann auch knapp 10 Stück). Dann viel gelesen und mich in der Entspannung und Achtsamkeit geübt. Kurz vorher alle Rauchutensilien weggeben oder weggeschmissen. Und was ich glaube ich am wichtigsten finde: ich habe Abends vorm Schlafengehen aufgehört. Nach 8-9 Stunden Schlaf hat der Körper ja schon einen kleinen Entzug mitgemacht. Ich bilde mir mal ein, dass das auch besser war, als morgens nach den ersten 3-4 Kippen oder mitten am Tag aufzuhören. Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht. Vor allem wenn alle Erkältungssymptome weg sind. Wenn ich nur noch „nichts“ merke. Kein Naselaufen, kein Husten, kein Kopfschmerz. Nur ich. Nur die Situationen.

Rückfälle kann ich mir sehr lebhaft vorstellen. Es kommt mir vor wie die Fähigkeit in den Zukunft zu schauen oder in parallele Zukünfte zu schauen. „Wenn ich noch

 

rauchen würde, würde das und das passieren. Da an der Ampel würde ich stehen und rauchen. Hier auf der Bank würde ich sitzen und rauchen. Am Fenster hab ich immer gestanden und geraucht.“ Unzählige Situationen sehe ich vor mir. Ist das Suchtdruck oder nur Sehnsucht oder Erinnerung? Zumindest steigt das Verlangen bei mir aktuell nicht an, rauchen zu wollen.

 

Toi Toi Toi ☺ 

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