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Heute nicht so viel

20 Juli

Morgen geht’s nach Bremen. Die Freundin des Bruders meines Partners... also ggf. die zukünftige Schwägerin, feiert am Samstag ihren Geburtstag. Wir reisen Freitagmittag schon an. Ein schönes Hotel direkt an der Weser ist gebucht. Der Plan besteht aus Wellness/Spa-Bereich, gutem Essen und einen Vormittag in der Stadt. In Bremen war ich bisher noch nicht, es gibt also viel zu sehen. Ich bin auf die Party gespannt. Ich weiß, dass die beiden wohl auch alkoholfreies Bier trinken. Das nimmt schon mal n bisschen Druck. Eventuellen Fragen werde ich aber ehrlich gegenüber sein. Entweder „ich trinke nicht“, „ich trinke nicht mehr“ obwohl das „mehr“ schon impliziert, dass ich es getan habe, nicht mehr mache und suggeriert, dass es Probleme gab/gibt.... also eher „ich trinke nicht“ obwohl das auch ziemlich hart und beschneidend klingt. So, keine weitere Unterhaltung bitte! Dann besser „ich trinke keinen Alkohol“. Sollte dann weiter gebohrt werden kann ich ja mit einem Lächeln im Gesicht sagen „oh, ich bin Alkoholiker“. Dann ist sicher jedes weitere Gespräch darüber vorbei ☺ Ist das zu abschreckend? Ich glaube ich würde es nutzen um abzuschrecken. Aus Schüchternheit. Um längeren Gesprächen aus dem Weg zu gehen. Andererseits, wenn das Gegenüber taff genug ist, ist das Eis auf jeden Fall gebrochen und man kann unbeschwert weiter reden ☺ Mal sehen was passiert. Ich werde berichten ☺

 

...

wieder zuhause: Es war unspektakulär. Keine unangenehmen Fragen zum alkoholfreien Bier. Naja. Gut so. Dann kann es ja so weitergehen ☺

 

 

 

Einschub

Ich habe meinen Eltern nie etwas erzählt (oder erst später, oder als es zu spät war), weil ich sie nicht belasten wollte. Das war quatsch. Das habe ich mir gesagt, das habe ich mir vorgemacht. In Wahrheit wollte ich mich nicht damit belasten, dass sie es wissen. Das ich etwas ggf. nicht kann. Oder Hilfe brauche. Oder nicht weiter weiß. Vielleicht haben mich dir Vorurteile von Einzelkindern daran gehindert. Vielleicht auch nur Angst schwach zu wirken. Nicht ernst genommen zu werden. Ich wollte nicht, dass meine Eltern von mir denken, ich könnte etwas nicht. Das ich sensibel bin, vielleicht sogar labil, dass es mir manchmal nicht gut geht. Wer möchte so etwas schon seinen Eltern sagen? Ich möchte nicht in die enttäuschten Gesichter von meinen Eltern gucken und sehen wie sich Tränen in ihren Augen sammeln. Wer will das schon? Die beiden haben schon genug mitgemacht, haben selbst genug Sorgen. Und dann komm ich noch dazu? Das wollte ich nicht. Dass das jedes Mal (schwul, HIV positiv, hoch verschuldet, alkoholsüchtig oder abhängig... jedenfalls depressiv) falsch war, fällt mir jedes Mal danach erst auf. Vorher habe ich mich aber bisher nie getraut.

 

 

It’s astounding - Time is fleeting
Madness takes its toll
But listen closely...Not for very much longer
I’ve got to keep control
I remember doing the time-warp
Drinking those moments when
The Blackness would hit me
And the void would be calling...
Let’s do the time-warp again - Let’s do the time-warp again

(The Rocky Horror Picture Show) 

 

 



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