· 

Noch ein Einschub

 

Mir fällt etwas aus meiner Vergangenheit ein: ich war ziemlich schüchtern und hatte oft Angst davor in irgendeiner Art und Weise nicht gemocht zu werden, komisch angeschaut zu werden oder kritisiert zu werden, oder wenn es ganz schlimm war, Angst gehabt gehänselt zu werden.

Egal ob in der Schule, oder irgendwo in der Stadt. Auf Geburtstagen von Verwandten. Egal, ich hatte ständig Angst davor. Und dann habe ich oft nichts gemacht.

Nichts gemacht und auf dem Schulhof gestanden. Nichts im Unterricht gemacht um nicht aufzufallen. Nicht aus meinem Zimmer gegangen, um nicht gesehen zu werden. Denn, wenn man nichts macht, kann man ja nichts falsch machen... zumindest dachte ich das. Wenn ich nichts mache, bemerkt mich keiner und ich kann nicht gemobbt werden. Idiotisch, ich weiß. Aber ich erwische mich gerade wieder in dieser Situation. Ich verschanze mich zuhause, gehe nicht einkaufen, esse alle Rest leer, um nicht vor die Tür zu müssen, rauche in der Küche, um nicht auf die Terrasse zu gehen. Und ein paar Tage die Woche habe ich sogar keine Bewerbungen mehr geschrieben! Wenn ich nichts mache, kann ich nichts falsch machen? Bullshit! Das muss aufhören.

Deshalb bin ich froh, dass es gleich in einer Stunde in die Eifel geht. Und dass ich morgen aus 4.000 Metern Höhe einen Tandemsprung machen werde... ich werde sicher n Herzinfarkt bekommen... aber hey. Dann hab ich wenigstens nochmal was gemacht ☺

Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Jobsuche so schlaucht. Geschweige denn, dass es so lange dauert. Seit Oktober suche ich. Seit Ende Januar bin ich ohne Job. Und jetzt ist es Ende April. Gut, ich habe morgen, nach langer Zeit endlich wieder Vorstellungsgespräche. Drei Stück sogar. Aber warum dauert das so lange? Und warum zieht es mich so der Maßen runter?

Ich weiß, dass ich mich nicht durch den Job identifiziere... oder glaube ich das nur? Habe ich es unterbewusst getan? Oder stört mich nur die finanzielle Notlage? Ich glaube daran liegt es.

 

Ich möchte meinem Freund nicht länger auf der Tasche liegen. Ich möchte finanziell unabhängig sein. Mir Chips holen wenn ich Lust drauf habe. Ins Kino, in die Sauna, ein neues T-Shirt kaufen oder Blumen für die Terrasse.

Vielleicht kann ich so nachvollziehen, wie man sich als Hartz IV’ler fühlt.... ohne Aufgabe, ohne Perspektive, keine Hoffnung. Aber sooo schlecht geht es mir doch eigentlich nicht. Trotzdem bin ich so negativ eingestellt. Trotzdem bin ich traurig, ggf. sogar hoffnungslos? Habe ich den Mut verloren? Oder weiß ich nur nicht mehr was ich will? Soll ich jetzt ein Studium anfangen weil ich keinen Job finde? Eine Weiterbildung starten oder soziale Dienste im Krankenhaus oder Flüchtlingslager leisten? Und „nur“ weil ich sonst nichts mit mir anzufangen weiß? Selbst hier kann ich gerade keine Entscheidung treffen. Was wenn ich übernächste Woche ein Jobangebot habe? Dann enttäusche ich doch die Leute bei denen ich mich engagieren wollte.

 

Naja... wenn ich früher drauf gekommen wäre, würde ich ja schon seit zwei Monaten dort etwas Gutes tun... aber da bin ich wohl noch zu egoistisch für... oder realistisch? Oder habe ich doch nicht die Hoffnung verloren und hoffe von Woche zu Woche dass ich bald arbeite? Das die Energie für eine kurze gute Tat verschwendet werden könnte?

Apropos Energie: mein Akku ist ziemlich schnell leer. Bzw. glaube ich, das er wieder aufgeladen ist und stürze mich dann voll rein und schwups ist der Akku wieder leer. Schon fast ohnmächtig leer, so dass ich morgens kaum aufstehen kann. Oder mich mittags wieder hinlege. Meine Spaziergänge werden auch immer kürzer... vor zwei Wochen bin ich fast täglich min. 10 km am Stück gegangen... manchmal sogar zweimal. Und jetzt? Diese Woche habe ich es nicht mal richtig vor die Tür geschafft. Ätzend. So schlapp war ich selten im Leben. Vielleicht habe ich mich doch in die vergangen Stellen so verliebt, das die Absagen danach wirklich wie Liebeskummer waren, oder sind. Anfangs habe ich noch die Gefühle ignoriert und dann ohne Vorwarnung kommen sie von hinten ins Herz geschossen und ich bin gefrustet. Vielleicht muss ich das nur akzeptieren damit es mir besser geht. Oder akzeptieren, dass ich es gerade nicht besser machen kann. Oder ich muss doch n VHS Kurs für irgendwas machen, damit ich was zu tun habe.

 

Auf jeden Fall muss wieder ein Tagesrhythmus her. Spätestens um 7:30h aufstehen. Frühstücken, spazieren. Oder erst zwei Stunden Jobsuche und dann spazieren. Dann was im Haushalt machen, Mittagessen, ggf nochmal spazieren, oder weiter suchen. Dann einen Feierabendspaziergang, essen und einen guten Film oder Serie oder ne Doku schauen. Spätestens um 22h ins Bett um ausgeschlafen zu sein.

Das klingt nach nem Plan. Aber so ähnlich habe ich das schon gehandhabt. Ich glaube ich komme um eine Weiterbildung nicht drum rum. Oder irgendwas Vergleichbares.

Natürlich wäre es toll wenn aus einem Gespräch der nächsten Wochen eine feste Anstellung wird... aber das kann ja auch noch dauern. Also muss, abgesehen von Plan „Tagesrhythmus“ auch ein Plan B her.

 

Oh das habe ich noch gar nicht geschrieben: ich habe mich bei einer Kochsendung beworben ☺ Wenn ich gut ankomme, wird Anfang Mai gecastet. Pro Aufnahmetag gibt es Kohle und, sollte ich tatsächlich gewinnen, winkt ein fettes Preisgeld. Voraussetzung wäre natürlich, dass ich während der Produktionszeit nicht arbeite... aber so sieht es ja bisher auch nicht aus. Also habe ich schon einen Plan B. Brauche ich also einen Plan C falls es nix wird mit dem Casting.

 

Der Countdown läuft. Mein Plan C muss bis 1.Mai stehen! Irgendwie liest sich das hier gerade wie Shoppaholic oder so ein Mädchen-Film. Irgendwie komme ich mir auch gerade vor wie in einem Film. Höhen und Tiefen. Drama, Spannungskurve, Absturz. Hoffnungsschimmer noch nicht in Sicht – Cliffhanger kurz vor Ende damit man voller Anspannung auf die Fortsetzung hinzufiebert. Ich mag Cliffhanger nicht. Sie sind immer wieder der Grund weshalb ich bis zwei Uhr Nachts auf dem Sofa meine Serie weitergucke.

 

Diese Spannungen sind nicht auszuhalten.

Aber gut. Welche Möglichkeiten kann ein Plan C haben?

Studium ab dem Wintersemester?

Weiterbildung an der VHS? Weiterbildung auf eigene Faust?

Ehrenamtliches Arbeiten?

Ein eigener Blog?

Dieses Buch in ein Hörbuch umwandeln?

Paketzusteller? Apothekendienst? Karten an der Kinokasse verkaufen? Was soll mich weiterbringen?

Wo soll es mich hin bringen? Soll es mich weiterbringen?

Oder nur beschäftigen bis ich einen Vollzeitjob finde? 

 



Kommentar schreiben

Kommentare: 0